China-Visum beantragen: So geht’s — nicht

China-Visum beantragen: So  geht’s — nicht

Als wir neulich in unserem neuen Zuhause-auf-Zeit zwischen Umzugskisten und Kleidersäcken saßen, hakten wir in einer ruhigen Minute akribisch die To-dos auf unserer Liste ab. Ein herrliches Gefühl. Wohnungsübergabe: check, Nachsendeauftrag abschicken: check, Toms Geburtstagsgeschenk besorgen: check. Hochmotiviert weitere Punkte vom Notizzettel zu streichen, wollten wir zeitnah unser China-Visum beantragen. Doch das Kästchen auf der To-do-Liste sollte leer bleiben.

1. Fehler: China-Visum-Formular aus dem Internet

Da wir am besagten Tag eh nach Düsseldorf fahren wollten, planten wir einen kurzen Abstecher ins chinesische Generalkonsulat in der Pempelforter Straße, dass täglich von 9 Uhr bis 15 Uhr geöffnet hat.

Schreibtisch
Mitten im Chaos: Erst einmal ein Visum beantragen

Noch zu Hause fand Thiemo ein Formular im Netz, dass wir im heimischen Chaos-Zimmer ausfüllten und schließlich inklusive Pässe und Passbilder mit nach Düsseldorf nahmen.

Im Service-Center angekommen, zogen wir, wie im Bürgerbüro üblich, eine Nummer und warteten auf unseren Aufruf. Schon nach wenigen Minuten kamen wir dran. Wir liefen zum postähnlichen Schalter und quetschten unsere Anträge samt Zubehör durch den Schlitz. Die Sachbearbeiterin warf einen kritischen Blick auf unseren Papierkram und gab im nüchternen Ton von sich, dass es sich hierbei nicht um den richtigen Antrag handelte. Währenddessen sie uns mit einer schnellen Handbewegung den Aufsteller mit den aktuellen Dokumenten zeigte, tönte zum ersten Mal an diesem Tag die Zonk-Melodie in meinem Kopf.

DÖÖÖÖÖÖÖÖHHHHHHHHHHHmmm.

Unser Tipp: Wer ein China-Visum beantragen will und auf doppelte Arbeit verzichten möchte, sollte nicht den Vordruck aus dem Internet verwenden. Das Gute: Die jeweiligen Service-Stellen stellen die jeweiligen Formulare in Papierform zur Verfügung.

Was wir nicht wussten: Auch die Anträge vor Ort gelten nur einen bestimmten Zyklus lang. Das heißt im Umkehrschluss: Die Formulare die wir Mitte April ausgefüllt haben, sind Ende des Monats nicht mehr gültig. Beim Konsulat erhaltet ihr jedoch immer die aktuelle Version.

2. Fehler: Flexibel planen

Nachdem wir die erste Hürde gemeistert hatten, wartete bereits die zweite auf uns: Wir sollten, nachdem wir den richtigen Antrag ausgefüllt und erneut durch den Postschlitz gedrückt hatten, unsere Flugtickets und Hotelreservierung vorzeigen. Haha!

China-Visum
Der „richtige“ Antrag für wenige Wochen

Ich mein ja, ok, das ist nicht unüblich, aber manchmal reicht auch einfach nur der Reisepass, ein Passbild sowie das Beantworten weniger Fragen. Beim chinesischen Service-Center läuft das jedoch anders.

Um ein China-Visum zu beantragen, benötigt man demnach folgende Dinge:

  • den ausgefüllten „richtigen“ Antrag (im Konsulat erhältlich)
  • ein normales Passfoto von Fotofix (weißer Hintergrund)
  • seinen gültigen Reisepass, der für mind. fünf Werktage einbehalten wird
  • die Flugbuchung
  • die Hotelreservierung und last, but not least:
  • die Gebühr von 125 Euro (für ein dreimonatiges Visum; Stand: 18. April 2019)

Da wir unsere Mini-Weltreise vor allem flexibel gestalten wollen, hatten wir natürlich weder Flüge noch Hotels für China gebucht. An sich kein Problem, da wir im Düsseldorfer Service-Center 14:30 Uhr die Einzigen waren und noch genügend Zeit hatten, eben mal noch einen Flug zu buchen und eine Unterkunft zu reservieren. Doch wann sind wir eigentlich in China?

3. Fehler: Behörden

Unsere aktuelle Planung sieht vor, dass wir erst im Juli dieses Jahres in Malaysia landen. Und dort auch erstmal für ein paar Wochen bleiben wollen, bevor wir mit kleinem Handgepäck-Rucksack Länder wie beispielsweise China erkunden. Geplant war sogar, dass wir mehrmals in die Volksrepublik einreisen, um möglichst viel zu sehen. Deswegen wollten wir auch ein sechsmonatiges Visum. Eine großartige Idee, wie wir fanden — diese Euphorie teilten die chinesischen Konsulatssachbearbeiterinnen jedoch nicht mit uns.

Stempel

Denn Hürde Nummer drei lautet: Zeit. Gängig (also für Normalos wie uns) ist leider nur eine dreimonatige Einreiseerlaubnis — und zwar ab dem Zeitpunkt der Beantragung (was wir ebenfalls nicht wussten). Das heißt: Hätten wir am 18. April unser Visum eingereicht, hätten wir laut Bestimmung bis zum 18. Juli in China einreisen dürfen. Die Sachbearbeiterin vor Ort fügte hinzu, dass dieser Tag (in unserem Fall der 18. Juli) zwar nur für die Einreise und nicht für die Ausreise gelte, dass jedoch Airlines so eine knappe Geschichte nicht so gern sehen und man im schlimmsten Fall Probleme bekäme. Sie riet uns deshalb, noch eher in die Volksrepublik zu fliegen. Noch eher? No Way…

… und zum dritten Mal an diesem Tag ertönte in meinem Kopf die Zonk-Melodie.

Und so entschieden wir uns aus folgenden Gründen dagegen:

1. Wir hatten gehofft, dass wir ein sechsmonatiges Visum erhalten und während des Asiens-Aufenthalts mehrmals (mehr als einmal) spontan einreisen können. Das geht, ohne jemanden vor Ort zu kennen, leider nicht.

2. Die für uns infrage kommende dreimonatige Einreiseerlaubnis beginnt überraschenderweise am Tag der Beantragung und nicht — wie wir dachten — am Tag der Einreise. In unserem Fall viel zu früh, da wir gern erst im August nach China geflogen wären.

3. Und alle so: „HÄ! Wieso beantragt ihr das Visum nicht einfach zu einem späteren Zeitpunkt?“ Für die Beantragung benötigt das Konsulat zwar nur fünf Werktage, allerdings behält sie die Reisepässe ein. Da unsere Reise jedoch schon im Mai beginnt, hätten wir nur bis Ende April Zeit gehabt, ein China-Visum zu beantragen.

4. Weil wir es können 😉

Fazit

Zurück am Niederrhein holten wir direkt Zettel sowie Stift heraus und machten zum ersten Mal eine Prio-Liste mit den Ländern inklusive den jeweiligen Einreisebestimmungen, die wir unbedingt sehen wollten.

Notizen

Und siehe da: Alle Länder, die bei uns ganz oben stehen, benötigen kein Visum. YES! Sorry China, aber du bekommst heute leider keinen Antrag von uns.

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